Materialien und Technologien

Japanpapier – Washi

Japanpapier washi ist das ursprüngliche handgeschöpfte oder auch maschinell hergestellte Papier, das in Japan direkt oder weltweit auf japanische Art und Weise erzeugt wird.  Es kann aus unterschiedlichen heimischen Pflanzenfasern bestehen (vorrangig kozo, gampi oder mitsumata), die auch mit anderen Fasern gemischt sein können (Hanf, Manilahanf/Abaka, Zellulose).  

Roland Meinel fertigt Washi hauptsächlich aus kozo, dem japanischen Papier-Maulbeerbaum – oft auch mit anderen Fasern gemischt. Das langfasrige und reißfeste Papier kann entweder nach dem Schöpfen nass über Formen gepresst werden oder auch nach dem Trockenprozess kaschiert oder montiert werden

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Kakishibu

Kakishibu (Pulver und Flüssigkeit)

Seit Jahrhunderten wird in Japan kakishibu, ein fermentierter Tannin-Farb- und Überzugsstoff aus unreifen, adstringierenden Kakifrüchten von lokalen Handwerkern für viele Zwecke verwendet. Von der Behandlung von Fischernetzen und dem Färben von Textilien bis hin zum Holzschutz der Häuser ist kakishibu nicht nur sehr vielseitig, sondern besitzt auch viele natürliche Eigenschaften wie Insektenschutz und Schutz vor Schimmel.

kakishibu (kaki = Kakifrucht, shibu = adstringierend, Tannin)

Kakishibu ist eine Art Wundermittel. Es wurde für eine Vielzahl von Medizin-, Kosmetik- und Alltagsprodukten verwendet, schon lange bevor moderne Mittel verfügbar waren – boten doch die natürlich vorkommenden Bestandteile darin eine leistungsstarke Kombination aus anti-mikrobiellen, wasser- und insektenabweisenden Eigenschaften, die dazu beitrugen, Stoff, Papier, Holz und Textil zu schützen und zu erhalten.

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Japanlack – Urushi (漆)

Urushi (Japanlack)  ist der frühste und einer der haltbarsten Naturlacke der Menschheit. Der Lack wird in Ost- und Südostasien aus dem Saft des urushi-Baumes „Rhus vernicifua / Toxicodendron vernicifluum” und anderen Baumarten gewonnen. In China, Japan und südostasiatischen Ländern (Vietnam, Thailand, Myanmar) wird er seit vielen Jahren in jeweils spezifischer Art und Weise verwendet. In Japan spielt urushi aber eine ganz besondere Rolle, es wird sogar von einer “Urushi-Kultur” gesprochen: Dieses Material ist so mit Geschichte, Religion, Alltag, Architektur, Handwerk und Kunst verbunden, dass es selbst nach 12.000 Jahren seit der ersten Anwendung in Japan immer noch als wichtiges Kulturgut angesehen wird. Auch im Alltag der Japaner ist immer noch urushi anzutreffen, trotz des seltenen, teuren Materials und der langen zeitaufwendigen Fertigung.

Roland Meinel benutzt Japanlack seit 2005 für seine Schalen und Gefäße, Schmuck und seine Objekte aus Papier.

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Technologien und Formgebungsprozesse

Kaschieren und Überformen - Harinuki (張貫)

Selbstgefertigtes Japanpapier (meist kozo) mit seinen langen Fasern ist das Grundmaterial, das in mehreren Schichten frei oder über Formen aus Metall, Holz, Ton oder Knetmasse verklebt wird (harinuki – Technik 張貫).  Der dabei benutzte Reisleim-Kleber  wird bei lackierten Werken mit Urushi versetzt (nori-urushi のり漆 – auch Leimlack 糊漆 genannt). Dieser ist wasserfest und sehr stabil. Danach können die Exponate beschichtet werden.

Beschichten oder Tränken – Ikkanbari (一閑張)

Einzelne dünne oder dickere Japanpapiere bzw. Papierstreifen können mit kakishibu getränkt oder auch mit speziellen Mischungen aus Japanlack und Ölen versehen werden. Das Ergebnis – ein flaches ikkanbari-Papier– wird versteift, bleibt aber flexibel, kann sogar gefaltet werden, wird farbig und wasserfest. Oft entstehen daraus kleine Origami-Schmuckstücke.

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Links und unten: Beispiele von ikkanbari-Papieren von Roland Meinel

Montieren

Japanpapier lässt sich roh oder beschichtet rollen, falten, knicken oder kleben. Es entstehen damit oft viele unterschiedliche Einzelteile, die wiederum zu größeren Werken zusammengesetzt und geklebt werden, entweder frei geformt oder wieder in oder über speziellen Formen. Dieses Montieren erlaubt vielfältige kleinteilige und detaillierte Papierobjekte.

Falten

Japanpapier kann man hervorragend falten. Speziell dafür schöpft R. Meinel ein langfasriges, sehr dünnes, aber reißfestes Papier. Die Faltungen werden konkret geplant mit Skizzen und Modellen, die dann endgültig mit Washi ausgeführt werden. Die daraus entstandenen Werke können auch nachträglich noch gefärbt oder befeuchtet werden, dadurch werden die Falten exakter und haltbarer. Sie lassen sich auch wie Lackwaren mit urushi grundieren und beschichten.

Kintsugi (金継ぎ)

Teeschale
Teeschale, Japan, 20. Jh. Seto-Keramik

Kintsugi (金継ぎ) ist eine von langer Tradition geprägte japanische Methode, zerbrochene Keramik zu reparieren. Sie versucht aber, die Reparatur nicht als Makel zu begreifen, sondern veredelt diese durch die Verwendung von Gold oder Silber im Lack und schafft so neue Schönheit und hohe Wertschätzung des ursprünglichen Objekts.

Im Japan des 16. Jahrhunderts entstand im Zusammenhang mit dem sich immer mehr verbreitenden Zen-Buddhismus eine neue Teekultur. Entgegen den überkommenen, überfeinerten und luxuriösen Ritualen der Teezeremonie entwickelte sich ein neues Verständnis durch das ästhetische Prinzip von “wabi sabi” – die Schönheit wird im Vergänglichen, Alten, Einfachen oder Fehlerhaften gesucht. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich kintsugi – die Verbindung von keramischen Scherben mit Lack und Gold/Silber, die den Makel hervorhebt, nicht kaschiert.

Dieses Prinzip des Umgangs mit den Dingen erlebt in der Gegenwart eine Renaissance auch auf anderen Gebieten. Upcycling, das Reparieren alter, verbrauchter oder defekter Dinge und “Zero-Waste”, die Philosophie der Abfallvermeidung sind eng verbunden mit dem japanischen Lebenssinn “ikigai” – das, wofür es sich zu leben lohnt”.

Roland Meinel benutzt diese Technik gelegentlich, besonders dann, wenn ganze Teile  der Keramik oder auch des Porzellans fehlen, deren Fehlstellen dann mit hauchdünnen lackierten Papierschichten aus handgeschöpftem washi repariert werden.

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Tasse
Teeschale, Meissen, 20. Jh.
Teedose
Teedose, Japan 20. Jh.,
Tasse, Knochenporzellan
Teetasse, Japan, 20. Jh.

Stefan Drescher -Kintsugi-Künstler und Restaurator, de., en.

Kintsugi: Die japanische Kunst, aus Scherben neue Kunst zu schaffen, ad-magazin.de

Literatur:

Drescher, Stefan. KINTSUGI Handbuch | Handbook,  de., en.
Käbschütztal, 2023

Drescher, Stefan, kintsugi Technik | kintsugi Technique (DE/EN), Käbschütztal 2011.